Die Ehemalige Trafostation in der Heerstr. 48 wird seit 1985 als Vereinsheim der Gesellschaft „Einigkeit“ e. V. von 1954 Bergheim genutzt. Seit 2007 steht das Vereinsheim unter Denkmalschutz. 

 

Mit dem Stromliefervertrag für die Stadt Köln war 1910 der Durchbruch erfolgt. Die RAG schuf eigens zur Elektrizitätserzeugung die Rheinischen Elektrizitäts- Werke (REW). Zur Auslastung des neuen Kraftwerks Fortuna in Niederaußem bei Bergheim wurden auch Verhandlungen mit dem Landkreis Bergheim geführt.
 
Im April 1910 kamen die Verhandlungen zum Abschluss. Es wurde mit dem REW ein auf 30 Jahre angelegter Stromliefervertrag abgeschlossen. Der Landkreis Bergheim sollte – wie die benachbarte Großstadt Köln – durch das Kraftwerk Fortuna mit Strom versorgt werden. Wie aus der Geschichte der Elektrizität bekannt, war der Erfolg dieser Energieart wesentlich mit der Entwicklung wirtschaftlich arbeitender Versorgungsnetze verbunden. Zur Organisation der Stromversorgung wurde im Landkreis Bergheim 1910 das Kreiselektrizitätsamt gegründet. Daraus ging das Kreiselektrizitätswerk hervor. Bei der Gründung spielte auch eine Rolle, dass der Landkreis zuvor bereits gute Erfahrungen mit dem Kreiswasserwerk und der Kreisbahn gewonnen hatte.Der Auftrag für die Konzeption des Versorgungsnetzes wurde an die AEG vergeben. Die Planung erfolgte durch den Zivil-Ingenieur Teuchert aus Köln. Zunächst wegen der großen Nachfrage aus der Bevölkerung auf eine Netzlänge von 110 Kilometern ausgelegt, wurde das Netz schon kurz darauf auf 150 Kilometer ausgedehnt.

Der aus dem Kraftwerk Fortuna I abgenommene Strom wurde mit einer Spannungsstärke von 15 kV in Trafostationen auf die Verbrauchsspannung von 220 und 380 Volt herunter transformiert. 1913 gab es 46 Stationen und bis 1966 wurden 262 Stationen erbaut. Später entstanden Schaltstationen als Knotenpunkte im Übertragungs- und Versorgungsnetz. Hier kamen wenigstens zwei unabhängige Leitungsstrecken zusammen, wurden durch Leistungsschalter verknüpft oder getrennt und konnten durch entsprechende Messeinrichtungen überwacht werden. Bei Kurzschlüssen konnten Teilstrecken aus dem Netz herausgetrennt und damit die Funktionsfähigkeit der Versorgung in den nicht betroffenen Netzteilen aufrechterhalten werden. Häufig waren Schaltstationen auch mit Transformatoren zur Herabsetzung der Übertragungs- auf die Verteilungsspannung ausgerüstet.

 

Die Schaltstation Bergheim gehörte zu diesen wichtigen Strukturelementen der Stromversorgung im ehemaligen Kreis Bergheim mit zugleich Schalt- und Umspanneinrichtungen. Die Anlage an der Heerstraße in Bergheim entstand 1936 als Schaltstation und sollte eine dort vorhandene Trafostation entlasten und später ersetzen. Die Schaltstation an der Heerstraße ist eine Kombination aus Turmbau und Halle. Der massig wirkende Backsteinturm ist mit einem Walmdach gedeckt. Das Dach ist leicht überstehend auf einem vortragenden Traufgesims aus Beton angeordnet. Die Dachdeckung erfolgte in Moselschiefer.

Wie bei vielen vergleichbaren Anlagen diente der Turmkopf im oberen Bereich zum Ein- und Auslass der Stromleitungen. Die ehemaligen Öffnungen sind unter der Traufe noch erkennbar. Sie sind heute aber mit zurückliegendem Mauerwerk zugemauert oder mit Lamellen geschlossen. Im Erdgeschoss des Turmbaus standen die mit schmalen Zellentrennwänden voneinander abgegrenzten Schaltkabinette mit vorgelagerten Trennschaltern. Die ehemaligen Zugänge, darunter auch der Hauptzugang sind flächig zugemauert. Rückwärtig entstand zur Bauzeit 1936 ein Anbau für die Transformatoren.

Der heute vorhandene rückwärtige Flügelbau wurde 1951 als „Erweiterung des schon bestehenden Traforaumes“ (vgl. Bauakte im Bauamt der Stadt Bergheim) angefügt. Die Halle ist ein in der Fassadengliederung dreizonig aufgebauter Backsteinbau. Über der Erdgeschosszone mit den Eingängen sind die schlanken Hochrechteckfenster im darüber liegenden Bereich durch schwach vorspringende, horizontale Backsteinstreifen zusammengefasst. In den Fenster-öffnungen sind die bauzeitlichen Glasbausteine erhalten. Über der darüber liegenden Drempelzone springt – wie beim Turm – das flache Walmdach über einer Betontraufe vor die Flucht der Fassaden. Auch in diesem großzügigen Hallenbau standen Schaltzellen mit einem Kabelkeller im Untergeschoss. Über den Schaltzellen war unter der Decke die Sammelschiene angeordnet. Im hinteren Bereich waren durch Innenwände abgeteilt zwei Transformatoren zur Umwandlung der Mittel- in Niederspannung aufgestellt. Erhaltenswerte Teile der Ausstattung sind im Turmbau und in der Halle nicht mehr vorhanden.

 

Elektrizitätserzeugnung und –Verteilung waren die wesentlichen Merkmale der Zweiten industriellen Revolution im letzten Viertel des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mit der zentralen Erzeugung von Strom in den damals so genannten Überlandkraftwerken mussten notwendigerweise Knotenelemente in der Fläche zur Herabspannung der Elektrizität und als Sicherheits- und Steuerungselemente eingefügt werden. Kriegsverluste und Moderni-sierungsmaßnahmen haben zu einem starken Verlust dieser zum Verständnis der Industrialisierung im Allgemeinen und der Stromwirtschaft im Besonderen so wichtigen Elemente beigetragen. Die Schaltstation in Bergheim an der Heerstraße ist eines der wenigen vergleichsweise authentisch in den Formen der Entstehungs- und Erweiterungszeit erhaltenen Zeugnisse dieses Teils der Industrie- und Kulturgeschichte.

Das beschriebene Gebäude Heerstraße 48 ist daher bedeutend für die Geschichte des Menschen und die Geschichte der Stadt und Region Bergheim. Seine Erhaltung liegt aus wissenschaftlichen, besonders industrie-, wirtschafts-, architektur- und regional-/ortsgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse.


Quelle: Stadt Bergheim